Das New Normal nachhaltig und resilient gestalten

Die Logistik ist im Wandel: Nicht erst seit der Corona-Krise steigen in der Branche die Anforderungen an Nachhaltigkeit, Resilienz und Effizienz. Wie aber lassen sich diese widerstreitenden Zielgrößen vereinen? Welche Rolle können digitale Plattformen spielen? Und wie lassen sich Verkehrsträger und Transportaufträge sinnvoll vernetzen?

Diese Fragen standen im Zentrum des 11. CNA Logistik Forums am 15. November in Nürnberg. Im ausgebuchten Kongress-Zentrum der Meistersingerhalle beteiligten sich über 100 Teilnehmer an der Dialog-Plattform rund um innovative Konzepte und Technologien für Transport und Logistik.

Zum Auftakt begrüßten Dr. Rudolf Aunkofer, Geschäftsführer des CNA e.V., und Dr. Roland Fischer, Geschäftsführer der Arbeitsgruppe für Supply Chain Services des Fraunhofer-Instituts für Integrierte Schaltungen IIS und Mitglied des Vorstandes im CNA e.V., das Publikum. Hierbei wies Dr. Fischer auf den Beitrag der Digitalisierung zu einer nachhaltigeren, resilienteren Logistik hin: „Digitalisierung in Kombination mit Datenexpertise ist für die Zukunftsfähigkeit der Branche ein wesentlicher Schlüsselfaktor. Denn die Digitale Transformation sorgt nicht nur für flexiblere Transporte oder effizientere Produktionsprozesse und damit für ökonomische Resilienz. Sondern sie sorgt auch für mehr ökologische und soziale Nachhaltigkeit.“

Dass die Wirtschaft bereits vorangeht, zeigten die Keynotes am Vormittag: Über den Stand des Brennstoffzellen-Antriebs für Lkw berichtete Dirk Weberskirch, Technologieverantwortlicher Brennstoffzelle bei MAN Truck & Bus. Dabei machte er deutlich, dass bereits leistungsfähige Antriebstechnik auf Wasserstoff-Basis entwickelt sei. Abwartend seien die Hersteller hingegen bei der Wasserstoff-Zufuhr – hier sei noch unklar, ob sich Infrastrukturen durchsetzen, die eine Betankung mit flüssigem, gasförmigem oder in einer Trägersubstanz gebundenem Wasserstoff erlauben.

Angesichts des Mangels an „grünem“ Wasserstoff aus regenerativen Quellen bzw. geeigneten Batterien bietet aktuell vor allem der Wechsel des Verkehrsträgers Möglichkeiten, Emissionen im Transport zu reduzieren. Sebastian Schilling, Leiter European Sales & Corridor Development der DB Cargo AG, und Matthijs van Doorn, Director Supply Chain & Logistics des Hafen Rotterdam, gaben daher einen Einblick, welche Möglichkeiten der Kombinierte Verkehr besonders im Seehafenhinterlandverkehr bietet. So seien Verbindungen gerade in den vergangenen Jahren ausgebaut worden und könnten dank digitaler Technologien – etwa Buchungs- und Trackingplattformen – immer komfortabler genutzt werden.

Wie mittelständische Logistik-Dienstleister diese und weitere Innovationen für Transport und Lager bewerten, zeigte Dr. Johannes Söllner, Mitglied der Geschäftsleitung der Geis Group, auf. So müssten Konzepte stets kritisch hinsichtlich der gegebenen Rahmenbedingungen – Infrastruktur, Fehleranfälligkeit, Kostenpotential – bewertet werden. Danach seien unternehmenseigene Piloten erforderlich, um geeignete Technologien für die eigenen Prozesse zu identifizieren. Wie dies praktisch innerhalb der Geis Group geschieht, illustrierte er abschließend anhand verschiedener Beispiele vom E-Forwarding bis hin zu Kommissionier-Assistenzsystemen.

Im Rahmen einer Pitch Session stellten sich fünf digitale Pioniere für Transport & Logistik dem Urteil des Publikums. Die Themen reichten dabei von Lade-Assistenzsystemen von Digilo über Buchungs- Plattformen für mehr Transparenz im Transport wie Timocom oder IMSLOT bis hin zu Zulaufsteuerung für Terminals von CONROO.

Der Technology for Future Award 2021 ging jedoch schließlich an Niko Hossain, CEO der Lobster Logistics Cloud GmbH. Mit der logistics.cloud stellte er eine cloudbasierte Plattform für Supply Chain Management vor. Die integrierte Lösung soll Unternehmen helfen, Lieferketten automatisiert zu integrieren, transparent nachzuverfolgen und zu managen. Das modularisierte System einschließlich Sendungsverfolgung, Reporting, Telematik-Anbindung u.v.m. überzeugte letztlich das Publikum.

Brownfield oder Greenfield – was ist besser für eine Logistikimmobilie?

Ein modernes Logistikobjekt auf eine jungfräuliche Grünfläche zu setzen, scheint auf den ersten Blick die günstigere Variante zu sein: Nichts stört, alles kann neu angelegt werden. Doch so einfach ist die Entscheidung nicht. Einerseits ist Deutschland bereits dicht besiedelt, was zwangsläufig zu Diskussionen bei der Errichtung einer Logistikanlage mit großem Flächenbedarf führen muss. Andererseits gibt es durchaus interessante Industrieflächen, die nicht mehr genutzt werden. Ein zweiter Blick lohnt sich also in jedem Fall.